Zum Inhalt springen

Mutterpass: Zweite Seite erklärt

Autor: Christina Meier

Ganz oben auf der zweiten Seite im Mutterpass finden Sie einige Spalten, in die Ihr Name, Ihr Geburtsdatum und Ihre Adresse eingetragen werden. So etwa könnte also die zweite Seite im Mutterpass aussehen, den Sie von Ihrem Frauenarzt bekommen:

 

Darunter finden Sie mehrere Spalten und Kästchen für wichtige serologische Untersuchungen und deren Ergebnisse, die auf der zweiten Seite Ihres Mutterpasses eingetragen werden. Auf der dritten Seite des Mutterpasses werden weitere serologische Untersuchungsergebnisse dokumentiert.

 

 

 

Die zweite Seite Ihres Mutterpasses:

 

Serologische Untersuchungen

1. Blutgruppenzugehörigkeit

Ihre Blutgruppe wird ermittelt und auf der zweiten Seite Ihres Mutterpasses eingetragen.
Die Blutgruppe spielt nicht nur eine Rolle, falls Sie im Notfall Blutkonserven benötigen sollten. Denn in manchen Fällen ist eine Blutgruppenunverträglichkeit nicht ausgeschlossen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie die Blutgruppe 0 haben und Ihr Körper Antikörper gegen die roten Blutkörperchen Ihres Babys bildet, sollte dieses entweder der Blutgruppe A, B oder AB angehören. Diese Antikörper sind in Ihrem Blut vorhanden und können in die Plazenta und von dort aus in den Blutkreislauf Ihres Babys gelangen.

Gegen Ende der Schwangerschaft wird die Blutgruppe des Babys festgelegt, da dann die AB0-Merkmale auf den roten Blutkörperchen gebildet werden. Ab diesem Zeitpunkt kann es zu Reaktionen kommen, die für Ihr Baby zwar nicht so gravierende Folgen haben wie möglicherweise bei einer Rhesusunverträglichkeit, jedoch trotzdem zu einer hämolytischen Anämie oder auch einer Neugeborenen-Gelbsucht führen können.

2. Rhesusfaktor

Der Rhesusfaktor wird ebenfalls auf der zweiten Seite im Mutterpass festgehalten.
Hierfür wird untersucht, ob Ihre roten Blutkörperchen auf ihrer Oberfläche den sogenannten Rhesusfaktor tragen. Denn falls Sie rhesus-negativ sein sollten, Ihr Baby sich jedoch als rhesus-positiv herausstellen sollte, kann es bei weiteren Schwangerschaften zu einer gefährlichen Rhesus-Unverträglichkeit kommen.

Kommt es nämlich während des Geburtsvorganges zu einem Kontakt zwischen Ihrem Blut und dem Ihres Babys, beginnt Ihr Körper Antikörper gegen das Antigen-D auf den Erythrozyten (roten Blutkörperchen) des Babys zu bilden. Wenn Ihr Blut im Verlauf einer weiteren Schwangerschaft in Kontakt mit den kindlichen Blutzellen Ihres erneut rhesus-positiven Babys kommt,  werden Ihre Antikörper versuchen, die vermeintlich feindlichen roten Blutkörperchen bzw. die Antigene Ihres Kindes zu zerstören.
Es kann unter anderem zu einer hämolytischen Anämie mit ihren Folgen bis hin zu Herzversagen und Tod des Ungeborenen kommen.

 

3. Antikörper- Suchtest

Ebenso wird auch das Ergebnis des Antikörper-Suchtests auf der zweiten Seite im Mutterpass eingetragen. Mit dem Antikörper-Suchtest wird Ihr Blut auf bereits vorhandene Antikörper untersucht, die gegen fremde Blutgruppen gerichtet sind und (siehe Rhesusfaktor) Ihrem Baby schaden könnten. Der Test wird am Anfang der Schwangerschaft und ein zweites Mal zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Sollte sich herausstellen, dass in Ihrem Blut bereits Antikörper vorhanden sind, wird Ihr Frauenarzt eine sogenannte Rhesusprophylaxe veranlassen. Hierbei erhalten Sie zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche vorerst einmalig ein Anti-D-Immunglobin. Nach der Geburt bekommen Sie dann ein zweites Mal eine Dosis des Anti-D-Immunglobulins.

Dieses Anti-D-Immunglobulin sorgt dafür, dass die entsprechenden roten Blutkörperchen Ihres Babys aus Ihrem Blutkreislauf entfernt werden, bevor Ihr Immunsystem darauf mit der Bildung von Antikörpern reagieren kann. So kommt es auch gegen Ende einer weiteren Schwangerschaft zu keiner Reaktion gegen die roten Blutkörperchen Ihres Kindes.

4. Röteln-HAH-Test

Die zweite Seite Ihres Mutterpasses enthält zudem das Ergebnis des Röteln-HAH-Tests.
Hierfür wird überprüft, ob Sie Antikörper gegen Röteln-Viren besitzen. Dies kann der Fall sein, wenn Sie entweder bereits eine Rötelinfektion durchgemacht oder eine zweimalige Impfung gegen Röteln erhalten haben.

Werden keine Röteln-Antikörper gefunden, scheint kein ausreichender Schutz gegenüber dem Rötelvirus vorhanden zu sein und Sie sollten im ersten Schwangerschaftsdrittel vermehrt aufpassen, sich nirgendwo mit dem Rötelvirus zu infizieren. Da die Röteln als typische Kinderkrankheit gelten, sollten Sie sich vor allem von Schulen, Kindergärten und öffentlichen Verkehrsmitteln fernhalten, so gut dies möglich ist.

Schwierig dürfte das Vermeiden einer Ansteckung allerdings sein, wenn Sie schon ein Kind haben, welches das Virus sozusagen nach Hause einschleppen kann. Viele Ärzte empfehlen verschiedene Impfungen im Kindesalter, darunter auch gegen Röteln. Diese sollen eine Antikörperbildung und damit eine Immunität zur Folge haben.

Fest steht, dass eine Rötelninfektion in den ersten Schwangerschaftswochen zu schweren Komplikationen und Missbildungen des Ungeborenen führen kann. Ebenso sicher ist, dass eine in der Kindheit durchgestandene Infektion mit Röteln eine lebenslange Immunität zur Folge hat und damit Sie und Ihr Baby vor einer Infektion während der Schwangerschaft schützt.

Das Thema Impfen ist jedoch ein recht komplexes Thema und ob spezielle Impfungen oder Impfungen im Allgemeinen sinnvoll sind, wird auch unter Experten mittlerweile heftig diskutiert. Bei der Entscheidung für oder gegen eine oder mehrere empfohlene Impfungen kann es ratsam sein, sich verschiedene Meinungen anzuhören, damit nach reiflicher Überlegung eine individuelle Entscheidung getroffen werden kann.

Der Verein „Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung“ kann hier helfen, sich über Infektionskrankheiten und deren mögliche Folgen sowie über verschiedene Impfungen und ihr Für und Wider zu informieren, um sich eine eigene Meinung bilden zu können.
Zudem gibt es entsprechend empfehlenswerte Literatur bzw. Bücher zu diesem Thema, die keine Laienmeinungen widerspiegeln, sondern von fachkundigen Ärzten publiziert worden sind.